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Premiere: "Martin Luther - Der Anschlag"

23.06.2017 um 21:00 Uhr
23.06.2017 um 23:00 Uhr
Bad Hersfelder Festspiele
Theater
Stiftsruine Bad Hersfeld

„Es ist eine der besten Geschichten der deutschen Geschichte. Vielleicht sogar die beste. Da kommt ein unbekannter Mönch aus Wittenberg daher, legt sich mit der mächtigen Kirche an, wird gebannt und geächtet und gewinnt dennoch Tausende Anhänger. Weil er nicht nur das einfache Volk überzeugt, sondern auch die hohen Fürsten, entsteht aus seiner Kritik an der römischen Kirche eine neue Konfession, der bald halb Europa anhängt.“ (Eva Maria Schnurr) „Unter uns gesagt,  ist an der ganzen Sache der Reformation nichts interessant als Luthers Charakter.“ (Goethe im 300. Jahr der Reformation zu seinem Freund Karl Ludwig von Knebel) Sich an ein Luther-Stück zu wagen, setzt Kühnheit voraus. Vermutlich hat es einen Grund, warum es das große klassische Luther-Drama nicht gibt, warum beispielsweise Schiller zwar über Johanna von Orleans, Wallenstein oder Maria Stuart geschrieben hat, aber nicht über die bedeutendste Figur der Deutschen: Luther. Einfach sein Leben nachzuerzählen, würde kaum ausreichen, um herauszufinden, wer das eigentlich war. - Theateraufführungen zeigen ja nie das wirkliche Leben, höchstens exemplarisches Leben, also das Beispielhafte an einer Person und ihrer Geschichte.  Aber ist dieser Luther womöglich beispiellos? Widersprüchlichkeit macht bekanntlich einen Charakter interessant, aber bei Luther sind die Widersprüche so gewaltig, so scheinbar unvereinbar, dass man den Eindruck hat, immer wieder verschiedenen Luthers zu begegnen: dem verzweifelten Gott-Sucher, dem überheblich Anmaßenden, der den Scheiterhaufen nicht zu fürchten scheint, weil er den Märtyrertod für sich geradezu ersehnt, dem mutigen Rebellen, der gegen eine Kirche kämpft, die Christen Trost verspricht gegen Gebühr, dem intoleranten Wut-Bürger, - heute würde man ihn vermutlich eher als Fundamentalisten bezeichnen , dem kraftvollen Übersetzer, Prediger, Autor, Briefeschreiber, dem Streithammel und unflätigen Pöbler, dem Mann auf der Schwelle zur Neuzeit, der stur und selbstgefällig mit Konkurrenten umgeht, verräterisch und feige mit den Bauern, ein widerlicher Antisemit und Islam-Hasser, obrigkeitshörig gegenüber den Fürsten, vielleicht wirklich so etwas wie der „Erfinder der Deutschen“, der für deutsche Tugenden steht, für Fleiß, Pünktlichkeit, Genauigkeit, Verlässlichkeit, für Sparsamkeit und Biedersinn, aber auch für Gehorsam und Untertanengeist. Er liebt die Hausmusik und wird mit seiner Frau, der aus dem Kloster entflohenen Ex-Nonne Katharina von Bora zum Vorbild des biederen, protestantischen Pastorenhaushalts. Wer sich an ein solches Gebirge voller Widersprüche herantraut, ein solch schwieriges Unterfangen wagt, hat wohl immer das Empfinden, dass das, was er erzählen möchte, eigentlich nicht zu erzählen ist. Dass das Begonnene unvollendbar bleibt, dass allein schon das Beginnen Vermessenheit bedeutet. Aber sollte man nicht lieber den Mut haben, Fehler zu machen, als sich dem Vorwurf auszusetzen, sich vor einer besonderen Herausforderung davonzustehlen? Luther war in Hersfeld. Am Abend vor der Walpurgisnacht hat er, von Worms kommend, in Hersfeld gepredigt, trotz des Verbots des Kaisers.