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Ein Herbstmanöver

26.01.2018 um 19:30 Uhr
Stadttheater Gießen
Theater
Stadttheater Gießen

Eine Rarität der leichten Muse wird am Stadttheater Gießen wiederentdeckt: Die Operette EIN HERBSTMANÖVER markierte für den ungarischen Komponisten Emmerich Kálmán den Beginn einer großen Karriere. Seit Jahrzehnten im deutschsprachigen Raum nicht mehr aufgeführt, wird das Stück in einer spartenübergreifenden Inszenierung unter Mitwirkung von Chor und Extrachor, des Philharmonischen Orchesters und der Tanzcompagnie Gießen neu belebt. Auch erstmals entdeckte Musik von Kálmán kommt dabei zur Uraufführung.

Ein Scheinangriff! Sodann ein heißes Gefecht mit Platzpatronen und stumpfen Säbeln – und anschließend natürlich ein rauschender Ball mit Champagner, schönen Frauen und feuriger Zigeunermusik. So stellt sich jeder Husar vorfreudig ein herbstliches Manöver vor. Nur dem attraktiven Oberleutnant von Lörenthy ist nicht zum Feiern zumute. Noch immer bedrückt ihn die Liebe zur bezaubernden Baronin Risa – die doch einst einen Anderen ehelichte. Und ausgerechnet zum Herbstmanöver kreuzen sich beider Wege erneut. Von Lörenthy plant den Exzess: „Tanzen wie ein Schneidergeselle, trinken wie ein Bürstenbinder...“

Mit einem turbulenten Abenteuer aus dem Leben der Husaren nahm die Karriere Emmerich Ka´lma´ns ihren Anfang: Feurige Märsche ebenso wie leidenschaftliche Zigeunerweisen deuten hin auf spätere Welterfolge wie DIE CSA´RDA´SFÜRSTIN und GRÄFIN MARIZA. 110 Jahre nach der Entstehung ist vom ersten Moment an auch die Beklemmung in der überschäumenden Lebensfreude und dem zur Grimasse verzerrten Witz kurz vor der Katastrophe spürbar und verleiht dem Werk dadurch eine merkwürdige und unvermutete Aktualität.  

Im Vorfeld der Produktion fanden aufwendige Recherchen in den Archiven von Budapest, Wien und den USA statt. Beide Urfassungen des Stücks – die ungarische von 1908, die Wiener von 1909 – verschmelzen in der Gießener Fassung, für die eine neue kritische Partitur erstellt wurde. Erstmals im deutschsprachigen Raum wird ein sentimentales Duett aufgeführt, das Kálmán für das tragisch liebende Operettentraumpaar komponierte, später jedoch wieder strich. Seine Uraufführung erlebt ein wunderschönes Klavierlied, dessen Existenz völlig unbekannt war, bis Regisseur Balázs Kovalik es auf der Rückseite einer Handschrift Kálmáns im ungarischen Nationalarchiv entdeckte.

Kovalik setzt nach AGRIPPINA sowie DER MISSLUNGENE BRAUTWECHSEL mit EIN HERBSTMANÖVER seine künstlerische Zusammenarbeit mit GMD Michael Hofstetter fort. Er liest das Stück aus der sentimentalen Tradition der silbernen Operettenära einerseits, aus der Schwermütigkeit des Fin de Siècle andererseits. Das Manöver der Husaren, der Volkshelden der Jahrhundertwende, erscheint als morbider Totentanz im Vorfeld ihres Niedergangs im ersten Weltkrieg. Bühne und Kostüme von Lukas Noll vermeiden Operettenkitsch und oberflächliches Klischee. Sie bieten in einer stimmungsvollen Trennung von Innen- und Außenwelt als Seelenraum ein dynamisches Panorama der Einsamkeit des modernen Menschen.

Das Philharmonische Orchester Gießen spielt unter der Leitung von GMD Michael Hofstetter.

Musikalische Leitung: Michael Hofstetter, Inszenierung: Balázs Kovalik, Bühne und Kostüme: Lukas Noll, Chor: Jan Hoffmann, Dramaturgie: Matthias Kauffmann
Mit: Harald Pfeiffer, Marie Seidler, Christiane Boesiger, Grga Peroš, Tomi Wendt, Clemens Kerschbaumer, Rainer Hustedt, Rainer Domke

Alle Vorstellungen:
26. Januar, 10. Februar, 02., 15. April, 10. Mai, 03. Juni 2018 | jeweils 19.30 Uhr
24. Juni 2018 | 15.00 Uhr